Ausstellung CLR ZTKN
Überwachung durch die Bolschewiki
»Es ist der Ausdruck gemeiner Spitzelei, der meine Korrespondenz ausgesetzt ist und die ich unter keinen Umständen ertragen werde. […] Ich schicke Dir diesen Brief in Maschinenschrift, damit sich der mich kontrollierende Spitzel nicht die Augen mit meiner schlechten Handschrift verdirbt und vielleicht aus Rache dafür den Brief länger zurückbehält.«
Clara Zetkin (Moskau) an Jelena Stassowa (Berlin), 1. Brief, 8. April 1924
»Ganz besonders regt mich der Gedanke auf, ich könnte in meinen persönlichen Briefen an Dich ein unbedachtes, rasches Wort geschrieben, einen dummen Witz gemacht, einen tollen Gedanken ausgesprochen haben, wie dies meine Art ist, und das könnte Dir angekreidet werden. Ich fürchte mich ja nicht zu verantworten, was ich sage und tue …«
Clara Zetkin an Jelena Stassowa, 2. Brief, 8. April 1924
Schon seit 1921 gegenüber Clara Zetkin misstrauisch, hatten spätestens nach dem Scheitern der von den Bolschewiki für den Herbst 1923 in Auftrag gegebenen »Deutschen Revolution« die Bolschewiki mit Clara Zetkins systematischer Überwachung begonnen – die die erfahrene Revolutionärin, seit den Jahren des deutschen »Sozialistengesetzes« (1878–1890) in Konspiration geübt – ihrerseits zu unterlaufen trachtete:
»Brief schicke ich auf dem von Dir angegebenen Wege, hoffentlich erreicht er Dich. Das Walten der Berliner ›Poststelle‹ ist auf gut deutsch gesagt: eine Nichtswürdigkeit.«
Clara Zetkin an Jelena Stassowa, 19. April 1924
Bis zu ihrem Ende bewegte sich die Kommunistin Clara Zetkin unter ihren »Genossen« wie in Feindesland:
»Ich bitte Sie dringend um Angabe einer sicheren Adresse, durch die ich es Ihnen zur Weitergabe zustellen kann. Meine Verbindung mit Euch geht ausschließlich durch den offiziellen Apparat des ZK der KPD, und in ihm gibt es absolut niemanden, dem ich vertraue.«
Clara Zetkin an Ossip Pjatnitzki (Leiter der Internationalen Abteilung der Kommunistischen Internationale), 22. Januar 1930