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Ausstellung CLR ZTKN

Der „Zetkinsche“ Frauentag

„Im Einvernehmen mit den klassenbewussten politischen und gewerkschaftlichen Organisationen des Proletariats in ihrem Lande veranstalten die sozialistischen Frauen aller Länder jedes Jahr einen Frauentag, der in erster Linie der Agitation für das Frauenwahlrecht dient. […] Der Frauentag muß einen internationalen Charakter tragen und ist sorgfältig vorzubereiten.“

(Vorwärts, 27. Jahrgang, Nr. 202, 30. August 1910)

 

Der Frauentag ist in Europa ein Kind der Arbeiterbewegung. Denn diesen Beschluss fasste der Kongres der Sozialistischen Internationale 1910 in Kopenhagen; Clara Zetkin und Käte Duncker hatten ihn initiiert. Sie knüpften dabei an den seit 1908 in den USA begangenen Frauentag an.

Im Januar 1911 wandten sich der SPD-Parteivorstand und die Generalkommission der Gewerkschaften an die Leiter der örtlichen Gewerkschaftskartelle: „Die Internationale sozialistische Frauenkonferenz in Kopenhagen hat beschlossen, die politischen und gewerkschaftlichen Organisationen der Arbeiterschaft aller Länder zu veranlassen, in jedem Jahr an einem Tage Versammlungen einzuberufen, in denen die Forderung auf Einführung des allgemeinen Frauenwahlrechts erhoben werden soll. Der Parteivorstand und die Generalkommission sind in gemeinschaftlicher Sitzung diesem Beschlusse beigetreten und haben als Tag für die diesjährige Propaganda den 19. März bestimmt. Die Vorarbeiten für die Versammlungen müßten von den Gewerkschaftskartellen in Gemeinschaft mit den örtlichen Parteiorganisationen erledigt werden, da nur, wenn beide Instanzen zusammenarbeiten, auf Massenbesuch gerechnet werden kann…“ (Landesarchiv Berlin, Registratur A Pr Br Rep 030, Nr. 15850: Sozialdemokratische Frauenbewegung und ihre Kongresse in Deutschland, Aufruf, S. 4)

Um „imposante Demonstrationen“ zu gewährleisten, gab es seitens der SPD Appelle an die eigenen Genossinnen:

„Es kann uns nicht genügen, dass am 19. März die Genossinnen demonstrieren. … [D]urch Flugblattverteilung und mündliche Agitation bei den Lauen und Indifferenten müssen diese aufgerüttelt werden. … Das ist eine spezielle Aufgabe unserer Genossinnen, die sie täglich, stündlich, zu jeder Zeit neben jener innerhalb der Organisation erfüllen sollen … [D]er Kampf um diese Forderung [gehe nicht ohne] persönliche Opfer“ ab.

(Gleichheit, Jahrgang 22, Nr. 10, 13.2.1911)

 

Clara Zetkin steuerte zur Unterstützung die Broschüre „Frauenwahlrecht“ bei.

Obwohl die männlichen Genossen den Frauen in ihren Kampf kaum reinredeten, blieben die Frauen auf die finanzielle, organisatorische und personelle Unterstützung durch die SPD und Gewerkschaften (und deren männliche Führungen) angewiesen. Das änderte sich nach Beginn des Ersten Weltkrieges im Sommer 1914. Denn da die SPD-Führung kriegsunwillige Mitglieder, darunter Clara Zetkin, ausschließen ließ, nahm sie den Anspruch auf den Frauentag in die zu Ostern 1917 gegründete USPD mit. In ihr bereitete sie 1917 und 1918 den Kampftag der Frauen vor.

Im Jahr 1918 brachte die Niederlage Deutschlands die politischen Verhältnisse zum Tanzen. Während der Novemberrevolution wurde, ohne auf nennenswerten Widerstand zu stoßen, das Frauenwahlrecht mit großer Selbstverständlichkeit eingeführt. 1919 wechselte Clara Zetkin zur gerade gegründeten KPD und nahm abermals den Frauentag mit, während die SPD erst 1926 wieder diesen Tag beging.

In der Weimarer Republik diente der Frauentag der Propagierung von Arbeitszeitverkürzungen für Frauen ohne Lohnabschläge, der Senkung von Lebensmittelpreisen, einer regelmäßigen Schulspeisung und des legalen Schwangerschaftsabbruchs.

 

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